Trotz der seit 2021 geltenden Legalisierung des Online Glücksspiels in Deutschland florieren weiterhin illegale Casinos, die deutsche Spieler anziehen. Eine Untersuchung des Bayerischen Rundfunks (BR) hat einige der Mechanismen und Akteure aufgedeckt, die hinter diesen illegalen Plattformen stehen.

BR-Recherchen enthüllen ein internationales Netzwerk hinter illegalen Online Casinos in Deutschland, das mit dem IT-Anbieter “SoftSwiss” in Verbindung steht.
- BR deckt Netzwerk um Berliner Unternehmer auf.
- Hohe Suchtgefahr bei illegalen Casinos ohne Einzahlungslimits.
- SoftSwiss wickelte 2018 über Wirecard Zahlungen von rund 61 Millionen Euro ab.
Ein lukrativer Markt mit Risiken
Seit der Legalisierung des Onlineglücksspiels in Deutschland im Juli 2021 gibt es streng regulierte Plattformen, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und den Spielerschutz gewährleisten. Dennoch bleibt der Markt für illegale Angebote verlockend, nicht zuletzt wegen der hohen Gewinne, die ohne die Beschränkungen der regulierten Anbieter versprochen werden. Diese illegalen Casinos bieten oft verlockende Boni und hohe Auszahlungsquoten, die Spieler in die Irre führen können. Laut Glücksspielforscher Tobias Hayer von der Universität Bremen erhöht das Fehlen von Einzahlungslimits die Suchtgefahr erheblich, da Spieler theoretisch unbegrenzt viel Geld einsetzen können.
Die Rolle von “SoftSwiss”
Im Zentrum der BR-Recherchen steht das IT-Unternehmen “SoftSwiss”, das Softwarelösungen für Online Casinos bereitstellt. Der Gründer, ein in Berlin ansässiger Geschäftsmann aus Belarus, ist in der Tech-Szene bekannt und präsentiert sich in öffentlichen Auftritten und Podcasts als innovativer Unternehmer. Doch die BR-Recherchen deuten darauf hin, dass “SoftSwiss” und sein Gründer möglicherweise in ein Netzwerk von illegalen Online Casinos verwickelt sind, die deutsche Spieler ansprechen, ohne über die erforderlichen Lizenzen zu verfügen.
Ein komplexes Netzwerk internationaler Verbindungen
Die Recherchen des BR führen zu einem weit verzweigten Netzwerk von Firmen mit Sitz in Malta, Zypern und auf Curaçao. Diese Standorte sind bekannt für ihre liberalen Glücksspielgesetze, die es Unternehmen ermöglichen, mit weniger regulatorischem Druck zu operieren. Die Unternehmen N1 Interactive Ltd. und Dama N.V. werden als Betreiber vieler dieser illegalen Casinos identifiziert. Gerichtsdokumente und Domainregister legen nahe, dass zwischen diesen Firmen und “SoftSwiss” enge Verbindungen bestehen oder bestanden haben. Der Geldwäscheexperte Konrad Duffy von Finanzwende e.V. erklärt, dass komplexe Firmenstrukturen oft dazu genutzt werden, Eigentümer zu verschleiern und Steuern zu umgehen.
Finanzielle Dimensionen und Wirecard-Verbindungen
Ein Überweisungsdokument aus dem maltesischen Unternehmensregister zeigt, dass N1 Interactive Ltd. im März 2022 zwei Millionen Euro an Dama N.V. auf Curaçao überwies. Der Kontostand von N1 Interactive lag zu diesem Zeitpunkt bei über sieben Millionen Euro. Diese Zahlen verdeutlichen die erheblichen finanziellen Dimensionen dieser Operationen. Darüber hinaus zeigen Dokumente der insolventen Wirecard-Bank, dass “SoftSwiss” als Kunde geführt wurde, was auf frühere Geschäftsbeziehungen mit einer Vorgängerfirma von Dama N.V. hinweist. Im Jahr 2018 wickelte das Unternehmen über Wirecard Zahlungen in Höhe von etwa 61 Millionen Euro ab, was es zu einem der umsatzstärksten Kunden der Bank machte.
Werbeanzeigen und digitale Spuren
Weitere Hinweise auf die Verbindungen zwischen “SoftSwiss” und den illegalen Online Casinos liefert das Werbetransparenzregister von Google. Anzeigen, die im Sommer 2023 von Dama N.V. geschaltet wurden, warben für Stellen bei “SoftSwiss”. Zudem wurde die Internetadresse eines von Dama betriebenen Online Casinos ursprünglich mit einer “SoftSwiss” E-Mail Adresse registriert, die den Vornamen des Gründers enthielt. Diese digitalen Spuren verstärken den Verdacht auf eine enge Verbindung zwischen den Unternehmen.
Politische und rechtliche Implikationen
Der Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Burkhart Blienert (SPD), fordert im Interview mit dem BR stärkere Maßnahmen gegen illegales Glücksspiel:
„Dafür müssen wir das Strafrecht erweitern, so dass unsere Staatsanwaltschaften auch gegen illegale Glücksspielangebote aus dem Ausland vorgehen können, die sich bei uns an die Spielenden richten.“
Die Herausforderungen der deutschen Glücksspielaufsicht
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ist dafür verantwortlich, die Einhaltung des Glücksspielstaatsvertrags in Deutschland zu überwachen. Trotz der vorliegenden Informationen über “SoftSwiss” hat die GGL bisher keine konkreten Maßnahmen ergriffen. Die Behörde äußert sich nicht zu laufenden Verwaltungsverfahren und erklärt, dass “SoftSwiss” keine Lizenz in Deutschland besitzt und auch keine beantragt hat. Die Online Casinos sind weiterhin aus Deutschland erreichbar, was die Herausforderungen der Regulierung und Überwachung verdeutlicht.
Globale Dimensionen und die Notwendigkeit internationaler Kooperation
Die Problematik illegaler Online Casinos ist nicht auf Deutschland beschränkt. Weltweit kämpfen Regulierungsbehörden mit Anbietern, die länderübergreifend operieren und Schlupflöcher in den Gesetzgebungen nutzen. Internationale Kooperation und klare rechtliche Rahmenbedingungen sind erforderlich, um den Spielerschutz zu gewährleisten und illegale Praktiken effektiv zu unterbinden.
Der Fall “SoftSwiss” zeigt exemplarisch, wie schwierig es ist, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die oft undurchsichtigen Strukturen dieser Branche zu durchdringen. Die Top Online Spielos mit den beliebtesten Spielhallen Spielen stehen dabei im starken Kontrast zu den illegalen Machenschaften.