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Zürich: Lokalinhaber als Boss der Glücksspielmafia festgenommen

Illegales Glücksspiel in der Schweiz floriert. Jüngst wurden mehrere Mitglieder eines kriminellen Netzwerks verurteilt. Darunter ein Zürcher Lokalinhaber mit türkischen Wurzeln. Dieser hat sich als Kopf einer kriminellen Organisation entpuppt, die mit illegalen Glücksspielen in der Schweiz Hunderte Millionen Franken umgesetzt hat. Was genau ist passiert?

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In der Schweiz ist ein illegaler Glücksspielring entlarvt worden. Die Mitglieder wurden zu hohen Strafen verurteilt.

  • Metin Akay nutzte türkische Vereinslokale als Reseller für seine Spiele.
  • Prepaidkarten wie Antepay dienten zur Abwicklung der Einsätze.
  • Die Einnahmen wurden über Geldwäschekanäle ins Ausland transferiert.

Das Imperium des Metin Akay

Wie die nzz berichtet, ist Metin Akay (Name geändert) der Kopf der kriminellen Organisation. Der 44-jährige wuchs in der Südosttürkei auf und kam im Alter von 16 Jahren in die Schweiz. Er begann seine kriminelle Laufbahn mit illegalen Glücksspielautomaten im eigenen Lokal. Schnell erkannte er das größere Potenzial und ließ eine eigene Software entwickeln, um seine eigenen Spiele anzubieten.

Laut dem Rechercheportal Reflekt, das den Fall Antepay publik machte, war dies der Beginn seines illegalen Imperiums. Akay und seine Komplizen, darunter sein Bruder, organisierten und überwachten das Geschäft, verhandelten mit Geschäftspartnern und entschieden über die Verwendung der Gelder.

Die Gruppe rüstete türkische Vereinslokale und Klubs aus, damit diese die illegalen Glücksspiele vertreiben konnten. Diese Einrichtungen dienten als sogenannte Reseller, die Sportwetten bewarben, Konten für Spieler eröffneten und die Auszahlung von Gewinnen durchführten. Entsprechend der Anklageschrift gab es in der Schweiz mehr als 500 solcher Reseller. Die Websites, über die die Spiele angeboten wurden, trugen Namen wie 3000bet11.com, solobet.com oder babasbet10.com.

Die Rolle von Antepay und Geckocard

Eine zentrale Rolle beim Vorgehen der kriminellen Bande spielten die Prepaidkarten Antepay und deren Nachfolgeprodukt Geckocard. Offiziell als Bezahlkarten deklariert, dienten sie in Wirklichkeit dazu, Einsätze für die illegalen Glücksspiele zu platzieren oder Guthaben für die Spiele zu erlangen.

Die Einnahmen, die das kriminelle Netzwerk generierte, waren immens. Die Schweizer Staatsanwaltschaft errechnete, dass die Täter ab Januar 2019 insgesamt 324 Millionen Franken mit illegalem Glücksspiel umgesetzt hatten. Davon blieben nach Ausschüttung der Gewinne rund 171 Millionen Franken übrig. Allein mit der Bezahlkarte Antepay sind rund 44 Millionen Franken erwirtschaftet worden.

Geldwäsche im Langstrassenquartier

Die Ermittler konnten zumindest einen Teil des Geldflusses nachverfolgen. Eine der Spuren führte zu einem Gemüsehändler und einem kleinen Supermarkt im Zürcher Langstrassenquartier. Metin Akay nutzte dieses und weitere Geschäfte als Drehscheibe zur Geldwäsche. Der Gemüsehändler, der auch legal mit größeren Geldbeträgen operierte, fiel nicht auf, als auch Einkünfte aus illegalen Quellen verschoben wurden.

Akay transferierte allein über diesen Laden 1,6 Millionen Franken. Der Ladenbesitzer unterzeichnete sogar einen fiktiven Darlehensvertrag, um gegenüber der Polizei vorzutäuschen, dass das Geld aus legaler Quelle stammt. Die Polizei stellte das Bargeld bereits im Dezember 2021 am Flughafen Zürich bei Akay sicher. Laut Staatsanwaltschaft floss ein Großteil des erwirtschafteten Geldes ins Ausland, vor allem in die Türkei.

Die Ermittlungen und das Urteil

Die Ermittlungen gegen das illegale Glücksspiel-Netzwerk begannen 2019. Die Behörden setzten eine großangelegte Überwachung ein, hörten Telefone ab, observierten Verdächtige, überwachten Firmenräume mit Kameras und setzten verdeckte Ermittler ein. Im September 2023 schlugen die Fahnder zu und verhafteten fünf Männer, darunter auch Metin Akay.

Bei der Durchsuchung seiner Räumlichkeiten fanden die Ermittler nicht nur größere Bargeldbeträge, sondern auch zwei Pistolen. Akay gestand seine Verwicklungen in die kriminellen Geschäfte und wurde im abgekürzten Verfahren angeklagt.

Das Bezirksgericht stimmte dem Urteilsvorschlag zu und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und einer Ersatzforderung von 171 Millionen Franken. Auch die anderen Beschuldigten wurden zu Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren bedingt und dreieinhalb Jahren verurteilt. Auch bei ihnen werden hohe Ersatzforderungen fällig.

Die Frage nach dem Verbleib des Geldes

Die Frage, die sich nun alle Beteiligten stellen, lautet: Wo sind die Millionenbeträge geblieben? Die Ermittler konnten bisher nur einen kleinen Teil des Geldes finden. Sie gehen davon aus, dass die Einnahmen in die Türkei transferiert und dort in Immobilien und andere Vermögenswerte investiert wurden.

Allerdings können die Ermittler aus Zürich auf die Hilfe der türkischen Behörden nicht hoffen. Ihren Gesuchen um Beschlagnahmung von Vermögenswerten sind diese bisher nicht nachgekommen. Ein Großteil des Geldes dürfte deshalb verschwunden bleiben.

Das Problem des illegalen Glücksspiels

Der Fall Akay zeigt, wie schwer es ist, das illegale Glücksspiel einzudämmen. Die Eidgenössische Spielbankenkommission führt zwar eine Liste mit gesperrten Websites, auf der sich mittlerweile fast 2.100 Domains befinden. Im letzten Jahr wurden 169 Strafuntersuchungen im Zusammenhang mit illegalem Glücksspiel geführt.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Für eine neue Website brauchen die Organisatoren des illegalen Glücksspiels nur wenige Minuten. Sperren die Behörden ein Angebot, dauert es nicht lange, und die Kriminellen schalten eine neue auf. Auch Metin Akay und seine Leute agierten nach diesem System. Um sich dem Zugriff der Behörden zu entziehen, schalteten die Kriminellen immer wieder leicht veränderte Internetadressen auf.

Illegales Glücksspiel in Deutschland

Auch Deutschland hat ein Problem mit illegalem Glücksspiel. Trotz der GGL-Aufsicht, sind hunderte illegale Glücksspielseiten zu finden. Nicht zuletzt aufgrund der strengen deutschen Glücksspielregulierung. Die legalen Online Casino Anbieter und die Wettanbieter mit deutscher Lizenz sind streng reguliert und haben gegenüber den illegalen Anbietern diverse Nachteile.

Hierzulande gibt es zahlreiche Bestrebungen, eine Lockerung der Regeln zu erreichen. Es zeigen sich erste Erfolge. In einigen Bundesländern können Spieler inzwischen an Live-Casino-Spielen teilnehmen.

Lars Vollmer
In meiner täglichen Arbeit habe ich ein einziges Ziel: zu verhindern, dass Leser in Online-Betrügereien oder Betrügereien verfallen.
Geschrieben von: Lars Vollmer
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